Adrenalin-Flash im Café

Es gibt Momente, an die man sich noch eine ganze Zeit lang erinnern wird. Zum Beispiel wenn plötzlich der Trainer eines Bundesliga-Fußballclubs anruft während man im Café sitzt, weil man von jemanden weiterempfohlen wurde. Und fragt, was ich mit einigen Fußballern machen würde, die aktuell unter ihrem Level spielen. Und nach einer Stunde verabredet wird, wann der erste Einsatz ist. Exciting!

Plötzlich fliegt einem die erste Chance für einen wirklich illustren Einsatz in Sachen Sport zu: Mit einer Mannschaft Profifußballer so zu arbeiten, dass sie wieder gewinnt. Eine Schar Männer, die ziemlich anders ticken, die eine andere Sprache sprechen und andere Ziele haben als die Menschen, mit denen ich bislang gearbeitet habe. Die untern dem Druck von 50.000 Zuschauern funktionieren ‘müssen’. Und das auch noch für den Club einer Stadt, in der ich früher mal studiert habe.

In den letzten Wochen haben diverse Fußballfragen und -themen meine Welt unplanmäßig etwas auf den Kopf gestellt. Dabei bin ich mit Sicherheit nicht besonders fußballaffin. Als Kind war die Zwangsüberdosis Bundesliga, die ich meinen zwei älteren Brüdern zu verdanken hatte, Höchststrafe (natürlich wollte ich ein Pony). Heute finde ich dieses sich-immer-wieder-neu-reindenken müssen in völlig neue Kontexte extrem spannend – auch im Sport-Coaching. Und ich mag den reinen Spaß am Spiel.

Die erste Coachingrunde fand eine Woche nach dem Gespräch statt und war sehr produktiv. Der offizielle Auftakt mit der Mannschaft sollte wiederum in der darauffolgenden Woche sein. Ich mach’s kurz: Der Trainer wurde am Wochenende vor dem richtigen Start ausgewechselt, weil die Punkte fehlten. Peng. Was für ein Timing. Zu blöd. So ungefähr muss es sein, wenn man einen entscheidenden Elfmeter verschießt, weil im Flug simsalabim der Fußball platzt.

“Trainerwechsel”. Wie oft habe ich mich bei dem Wort gefragt, ob es wirklich nichts Wichtigeres gibt auf der Welt. Plötzlich betrifft es einen selbst und die dazugehörigen Pläne pausieren entsprechend erst mal. Hm. Too bad.

Aber erstens: Das fassungslose Gesicht meines Ex-Freundes bei der Nachricht, dass ich, die definitiv kein Abseits erklären kann (darum geht es beim Gewinnen für mich auch erst mal nicht) auf die heiligen Luxusspieler losgelassen werde, war dafür unbezahlbar. Learning: Mit sowas ruft man die gesamte männliche Gefühlspalette auf einen Schlag ab – von Ungläubigkeit über etwas Neid und Hoffnung bis Stolz und Neugier. Ein Praxiskurs in Neurologie: Für ein paar Sekunden kann man richtig zuschauen, wie es im Gehirn des männlichen Gegenübers verzweifelt arbeitet, um zwei Welten zusammenzubringen: Anicca und Fussball. Wenn ich jemals einen Kurs in Sachen Männer verstehen machen sollte, bekommt das Labyrinth des männlichen Gehirns ganz klar ein großes Sonderkapitel.
Zweitens: Ich werde natürlich nicht aufgeben und andere Wege ausprobieren, denn jetzt hab ich richtig Lust gekriegt. Wie heißt es so schön? Nach dem Spiel ist vor dem Spiel. Die nächste Gelegenheit kommt ganz sicher. Yesss.