Sei kein Marketing-Zirkuspferd

Authentisch sein hat seinen Preis. Die gute Nachricht: Er ist es wert 😉
Vor einiger Zeit sagte eine Klientin zu mir: Ich glaube, ich muss mich noch mal neu zu deinem Newsletter anmelden, ich habe länger keinen von dir bekommen. Da scheint was nicht zu gehen. Ich musste lachen und konnte sie beruhigen: Doch, doch, da stimmt alles. Ich habe nur gestreikt.

Mein letzter Newsletter war damals tatsächlich gut zwei Monate her. In der Online-Welt also Äonen. Aber manchmal braucht es eine Funkstille, um was richtig Gutes auszubrüten. Für mich jedenfalls. Einige Kollegen sagten: Du kannst doch nicht einfach über so lange Zeit untertauchen wenn du ein Online-Business hast! Schließlich lautet eine vielbeschworene Regel: Wenn man nicht permanent Content produziert, dann bedroht das die heilige E-Mail-Liste. Oh ha.

Aber ich habe für mich gemerkt: Doch, eine Auszeit muss gehen. Sonst komme ich mir vor wie ein Zirkuspferd, das schön dressiert durch den Marketing-Reifen springen soll. Das kann ich nicht, will ich nicht und es fühlt sich auch nicht richtig an. Ich habe keine Lust auf Strategie-, Nischen- und sonstwas-Wahn in der digitalen Parallelwelt. Meine Erfahrung ist, dass eigene Regeln viel wichtiger sind, und ich sehe es auch bei meinen Klienten.

Manchmal gibt’s Zeiten, in denen man bewusst nichts von sich teilen möchte – und ich will dann auch nicht vorgeben es sei anders. Ja, natürlich haben sich einige Leute angesichts meines längeren Schweigens aus dem Verteiler abgemeldet. Und ganz ehrlich: Auch mir geisterte nach einigen Wochen ab und zu eine vorwurfsvolle Stimme durch den Kopf, die ungefähr sowas sagte wie: Hallo, geht’s noch? Es war nicht grad wenig Arbeit, dass sich einige tausend Leute bei deinem Newsletter angemeldet haben. Willst du das riskieren?

Gegenfrage: Will ich dabei mitmachen so zu tun, als sei es das normalste der Welt non-stop und 24/7 im Produktions- und Flowmodus zu sein und im Akkord zu posten? Nein. Das ist genauso absurd und ungesund wie das das leicht verkrampfte Zahnpasta-Strahlen der 50er-Jahre-Frauen, die erst glücklich waren, wenn Mann und Kinder versorgt, die Wäsche gestärkt und das Haus blitzeblank geputzt war. Sie selbst gingen dahinter vollkommen unter. Das bedeutet: Wenn ich das Gefühl habe, gerade nichts zu sagen zu habe oder eine Auszeit brauche, dann kann ich auch gut einmal den Mund halten. Und zwar ohne schlechtes Gewissen. Und zum anderen heißt es: Es wird von mir auch in Zukunft immer nur dann etwas von mir zu lesen geben, wenn ich meine, dass es mitteilenswert ist. Versprochen 😉

Die Leute, die das nachvollziehen können und dann trotzdem bleiben, sind die Richtigen und sind mir um so wichtiger. Die Auszeit hat da geholfen zu sortieren und das ist gut so. Das heißt auch: Wenn du dies liest und dich von der längeren Funkstille offensichtlich nicht hast irritieren lasen, gehörst du dazu! 🙂 Toll!

Und die Ironie ist: Als ich diese Gedanken vor ein paar Tagen auf meinem privaten Facebook-Profil nach Monaten des Schweigens teilte, reagierten – vollkommen unerwartet – über 130 Leute. Obwohl ich bis heute keine aktive Facebook “page” oder “community” habe, weder bei Instagram noch bei Youtube bin und im Durchschnitt nicht mal monatlich was von mir gebe. Auch meine Kurse sind immer voll – ohne den inzwischen normalen Marketing-Wahnsinn. Hmm, kann es sein, dass selbst in der Online-Welt weniger manchmal mehr ist und es noch ein paar andere Regeln gibt außer hyperaktiver Omnipräsenz auf allen Kanälen. Qualität vielleicht?

Ein spätsommerlicher Gruß an alle, die gerne eher was von mir gehört hätten. Dass es nicht ging, dafür gab es gute Gründe. Aber dafür kann ich um so mehr sagen: MANY CHANGES AHEAD!! 😉 Die Auszeit hat sich wirklich gelohnt, auch wenn – da ist sie wieder, die Ironie – dies gar nicht das Ziel war. Plötzlich kamen richtig gute Idee für Formate, die offenbar teilweise wirklich neu sind. Wichtige Entscheidungen sind getroffen und nun geht es neben den laufenden Projekten an die Umsetzung von zwei konkreten neuen Ideen.